Für die Rekonstruktion und Simulation von ausgedehnten Luftschauer ist es notwendig, die
atmosphärischen Bedingungen am Ort des Experimentes zu kennen. Deshalb wurden mehrere Systeme
zur Überwachung der Atmoshäre auf dem Gebiet des Auger-Süd-Detektors installiert.
Die molekularen Eigenschaften der Atmosphäre werden mittels der folgenden Zustands-Variablen in
Abhängigkeit von der Höhe beschrieben:
- Temperatur [K]
- Druck [hPa]
- Dichte [kg/m³]
- Atmosphärische Tiefe [g/cm²]
- relative Luftfeuchte [%]
- Windgeschwindigkeit [m/s]
- Windrichtung [°]
 |
Messtechnik
Um die Variablen in Abhängigkeit von der Höhe zu messen, die die molekularen Eigenschaften der Atmosphäre
beschreiben, führt die Karlsruher Auger Gruppe meteorologische
Radiosondierungen durch. Die atmosphärischen
Profile werden dabei typischerweise vom Auger-Niveau (rund 1450 m üNN) bis zu 25 km üNN aufgenommen. Zudem
zeichnen Boden-Wetterstationen die gleichen
Variablen in 5 Min. Intervallen auf. Zwischen März 2009 und Ende 2010 haben wir mit dem sog.
Balloon-the-Shower Programm am Rapid Atmospheric Monitoring Programme des Pierre Auger
Observatoriums teilgenommen. Hierbei werden alle eingehenden Luftschauer-Ereignisse, die mit den
Fluoreszenzdetektoren aufgezeichnet werden, sofort rekonstruiert. Eine Analyse dieser Daten innerhalb von
10 min. nach dem Luftschauer-Ereignis selektiert besonders hochenergetische und gut detektierte
Ereignisse und triggert dann einen Aufstieg eines Wetterballons.
|
 |
Datenbank und ASCII Tabellen
Die Daten werden in einer Datenbank für die molekulare Atmosphäre abgespeichert
und der Auger-Kollaboration für Rekonstruktionen und Simulationen zur Vergügung gestellt.
Es handelt sich dabei um eine MySQL Datenbank.
|
 |
Atmosphäre - Daten und Modelle
Die atmoshärischen Bedingungen in Abhängigkeit von der Höhe haben große zeitliche Fluktuationen. Daher können
zusätzlich zu den tatsächlichen Messungen auch Modelle sinnvoll sein.
Innerhalb der Auger-Kollaboration wurden Modelle mit verschiedenen zeitlichen und rämlichen Gültigkeiten
entwickelt. Anfang 2009 wurden sehr genaue Monatsmodelle fü das Gebiet des Auger Observatoriums in
der Pampa Amarilla, Argentinien, abgeleitet. Aufgrund unserer Erfahrungen mit dem Balloon-the-Shower Programm konnten wir
lokale Radio-Sondierungen mit Daten vom GDAS - Global Data Assimilation System
ersetzen.
|
 |
Einfluss auf kosmische Strahlung
Die Atmosphäre beeinflusst die Entwicklung und Beobachtung der Ultra Hoch-Energetischen Kosmischen
Strahlung (UHECR) in verschiedenen Stadien. Die physikalischen Auswirkungen der atmosphärischen
Variabilität werden in diversen Publikationen diskutiert.
|
Die Messung ausgedehnten Luftschauer kann durch den Nachweis von
Fluoreszenz-Emission erfolgen. Die Elektronen und Positronen der ausgedehnten
Luftschauer regen die Stickstoff-Moleküle der Atmosphäre an und
die Abregung verläuft teilweise über die Emission von Fluoreszenzlicht,
hauptsächlich im Wellenlängenbereich von 300 - 400 nm.
Zur Anwendung der theoretischen Kenntnisse
der Fluoreszenz-Emission in der
Luftschauer-Rekonstruktion bedarf es der Implementierung der atmosphärischen
Abhängigkeiten. Hierbei sind Temperatur-, Druck- und Luftfeuchte-Effekte, insbesondere
bei den Abregungsprozessen der Stickstoff-Moleküle, Gegenstand aktueller
Forschung. Parallel zu den Arbeiten am Verständnis der Prozesse auf
molekularer Ebene, wird in verschiedenen Labor-Experimenten die
Fluoreszenz-Emission in Abhängigkeit von verschiedenen Gasbedingungen
gemessen.
Die Arbeiten auf diesem Gebiet werden seit einigen Jahren auf regelmässig
stattfindenden Workshops diskutiert:
FIWAF 02 -
Utah, USA, 2002
Air Light 03 - Bad
Liebenzell, Deutschland, 2003
IWFM 05 -
Habere-Poche, Frankreich, 2005
4th air
fluorescence workshop - Prague-Pruhonice, Tschechien, 2006
5th Fluorescence
Workshop - El Escorial-Madrid, Spanien, 2007
6th Air Fluorescence Workshop
- L'Aquila, Italien, 2009
7th Air Fluorescence Workshop
- Coimbra, Portugal, 2010
Aktuell --- 8th Air Fluorescence Workshop
- Karlsruhe, Deutschland, Sept. 2011 --- Aktuell
Die Karlsruher Auger-Gruppe ist an zwei Fluoreszenz-Experimenten, AirLight und AIRFLY
beteiligt.
In Karlsruhe haben wir das AirLight Experiment aufgebaut.
 | Hier werden MeV Elektronen einer radioaktiven Sr-90
Quelle als anregenden Teilchen verwendet. Die Elektronen werden in eine
Szintillationskammer geleitet, die mit Stickstoff oder Luft gefüllt werden
kann. Das Gasvolumen ist von mehreren Photomultipliern umgeben, die das
emittierte Fluoreszenzlicht nachweisen. Vor den Photomultipliern sind
unterschiedliche Interferenz-Filter eingebaut, damit das Fluoreszenzlicht in
verschiedenen Wellenlängen detektiert wird. Bei diesem Experiment kann bei
Gasdrücken von 5 bis 1000 hPa gemessen werden. Zudem kann zusätzlich
Wasserdampf in die Kammer eingeleitet werden. |
Das zweite Experiment ist das AIRFLY
Experiment. Diese Emissions-Kammer kann in verschiedene Beamlines an Beschleunigern
gestellt werden und dann das von MeV - GeV Elektronen oder Positronen induzierte
Fluoreszenz-Licht messen. Ein Teil der Messungen findet an der Test Beam Facility des
DAPHNE Beschleunigers am Laboratori Nacionali di Frascati, in der Nähe von Rom,
statt. Anderen Messungen wurden im Argonne National Laboratory, in der Nähe
von Chicago, am Van de Graaff Elektronen Beschleuniger und am Argonne Wakefield
Accelerator (AWA) durchgeführt. Die letzten Messungen wurden am Fermilab und
am KICP, Chicago, gemacht. Auch in diesem Experiment wurde der gesamte
Druckbereich bis zu 1 atm durchfahren. Ausserdem wurden Messungen in Abhängigkeit
von der Temperatur und des Wasserdampfes durchgeführt.
Neben den oben genannten Experimenten gibt es noch weitere zur Bestimmung des
Fluoreszenzlichts, welches von ausgedehnten Luftschauern in der Erdatmosphäre
induziert wird. Dieses Licht wird verwendet, um die longitudinalen Profile der
Luftschauer zu rekonstruieren, um dann auf Informationen über die
Primärenergie und Komposition der kosmischen Strahlung zu schliessen.
In theoretischen Untersuchungen werden Modell-Rechnungen zur
Fluoreszenz-Emission vorgestellt und zwar in Abhängigkeit von der
Wellenlänge und von verschiedenen atmosphärischen Bedingungen. Zudem werden
Berechnungen, basierend auf unterschiedlichen Eingabe-Parametern aus der Literatur,
mit den experimentellen Ergebnissen verglichen und detaillierte Monte-Carlo-Simulationen
gemacht.
Kontakt
| Dr. Bianca Keilhauer |
| Karlsruher Institut für Technologie (KIT) |
| Institut für (Experimentelle) Kernphysik |
| Postfach 3640 |
| 76021 Karlsruhe, Germany |
| Tel.: ++49 (0)721 / 608-24419 |
| Fax. ++49 (0) 721 / 608-24075 |
| e-mail: bianca.keilhauer (at) kit.edu |